Geburtsvorbereitung: Teil 1/3

Zwischen Erstausstattung, Kliniktasche und Elterngeldantrag

Donnerstag, 14.01.2021. Erster Tag im Mutterschutz. Gefühlter 345678 Tag im Lockdown. 42 Tage bis zum errechneten Entbindungstermin. – ? Tage bis zur ersten Wehe, der tatsächlichen Geburt, dem Wochenbett, dem Alltag zu fünft.

Ich hoffe sehr, dass alle 3 Teile dieses Blogbeitrags vor unserem Abenteuer “Geburt” fertig werden, denn ich finde das Thema “Geburtsvorbereitung” super spannend, sehr facettenreich und hoch interpretativ. Für mich umfasst eine gute, umfassende Geburtsvorbereitung die “Vor-Geburt-Prep” (hier Teil 1), die “Für-Geburt-Prep” ( Teil 2) und die “Nach-Geburt-Prep” (Teil 3 – also quasi Wochenbett-Prep). Deswegen habe ich diesen Beitrag auch genau so aufgeteilt, alle Kapitel sind gleich wichtig, bauen aufeinander auf und ergänzen sich.

Wie immer gilt: Mein Input basiert auf meinen subjektiven Erfahrungen der letzten Jahre. Ich bin keine Hebamme und vertrete die Meinung, eine gute Hebammen-Begleitung ist das “A und O” und alles Hebammenwissen von unschätzbarem Wert. Meine Tipps habe ich teilweise natürlich aus meinen bereits absolvierten Geburtsvorbereitungskursen, aus Gesprächen mit meinen früheren Hebammen und vieles ist- wie gesagt- mein Erfahrungsschatz. Um manchen von Euch eine kleine Hilfestellung zu bieten, Euch vielleicht ein bisschen der kostbaren Zeit im Mutterschutz einzusparen, oder einfach nur, um den Rest dieser Leserschaft zu unterhalten, schreibe ich im Folgenden also alles zusammen, was für mich bei einer “guten Geburtsvorbereitung” nicht fehlen darf.

Ps.: Da ich bisher keine Erfahrungen mit einem geplanten oder ungeplanten Kaiserschnitt oder einer Kaisergeburt habe, ist mein Blickwinkel eher auf die natürliche Geburt ausgelegt- aber ich versuche, auch in den kommenden Teilen möglichst ganzheitlich auf die Geburtsvorbereitung einzugehen…

“Vor-Geburts-Prep” – here we go…

Darin enthalten ist alles, was man vor der Geburt in irgendeine Art von Liste eintragen und abhaken kann. Wir werdenden Mamas möchten so entspannt wie möglich auf die kommende Geburt blicken. Die Tatsache, dass wir sowieso nie wissen, wann und unter welchen Umständen die Geburt losgeht (außer natürlich, ihr bereitet Euch auf einen geplanten Kaiserschnitt vor), ist schon Unsicherheit, gepaart mit Vorfreude, genug. Wenn unter Euch das ein oder andere Organisationsgenie ist, dann wird diejenige schon alle Listen des gesamten www. ausgedruckt vor sich liegen haben. Dem Rest gebe ich hier eine Checkliste der wichtigsten organisatorischen ToDos an die Hand, die spätestens 14 Tage vor dem errechneten ET abgearbeitet sein sollte. Denn wir wissen ja, nur knapp 4 % der Kinder kommen am errechneten ET zur Welt. 14 Tage davor und 14 Tage danach gehören zum “normalen” Entbindungszeitraum, in dem eine Geburt nicht zu spät, aber eben auch nicht zu früh ist.

Die gepackte Kliniktasche:

Rechtzeitig gepackt, sollte sie irgendwo, aber bitte griffbereit stehen. Am Besten kennt nicht nur Ihr das Versteck, sondern auch Euer Partner/ Eure Partnerin. Und das sollte mit:

  • Papierkram! Mutterpass, Krankenkassenkarte, Stammbuch (Kopien Geburtsurkunden/ Vaterschaftsanerkennung/ Sorgeerklärung);
  • Gemütliche Kleidung für Euch (am besten auch ein Shirt/ Pulli für über den Po:-)) und für Eure Geburtsbegleitung*, Hausschuhe (ich schwöre auf meine Birkenstock), warme Socken, dicker Schal oder Tuch von daheim (sollte waschbar sein- mir war zeitweise unter Geburt etwas kühl…..)
  • Verpflegung: Energieriegel/ -kugeln, Eisbonbons (dann ist der Mund nicht so trocken) – je nach Tags- bzw. Nachtzeit werdet (mindestens) Ihr mit Klinikkost versorgt. Wenn Euch aber nach etwas “Besonderem” ist, solltet Ihr es Euch selbst mitbringen (oder zur Not per “Lieferando” ordern lassen … ACHTUNG: Bitte fragt am besten beim Aufnahmegespräch die Pandemiebestimmungen der Klinik/ des Geburtshauses ab)
  • Kosmetik/Hygienebeutel: Waschlappen, Deo, Lippenpflege, Zahnbürste, Zahncreme
  • Smartphone plus Ladekabel (!!!!), Kopfhörer
  • Babywäsche und frische Kleidung für Euch
  • Raumduftftöl (wenn Ihr einen speziellen Duft habt)
  • Babysafe für den Heimweg (man muss ihn übrigens vor Geburt nicht gleich kaufen- gerade beim ersten Kind kann es sinnvoll sein, ihn erst einmal gegen Kaution zu leihen, um bei der Passform keinen Fehlkauf zu tätigen…)
  • Falls Ihr auf die Wochenbettstation verlegt werdet, benötigt Ihr zusätzlich (vielleicht in einer separaten Tasche) unbedingt Handtücher und Stilleinlagen. Vielleicht habt Ihr schon ein Stillkissen, etwas von Euch Eingekuscheltes fürs Baby (mit Eurem Geruch), ein Nachtlicht (ein Steckdosenlicht !!! fand ich auch sehr hilfreich), ein Buch bzw. eine gute Zeitschrift ist sicherlich auch nicht verkehrt.

*Die Begrifflichkeit habe ich von @die_friedliche_Geburt übernommen.

Immer gilt: Gleich auspacken (lassen) und alles in Reichweite bereitstellen:-)

Den Wickelaufsatz hat mein Mann in Eigenregie gebaut. Die Wickelmatte ist von @Leander, wir haben sie im Rasselfisch in Karlsruhe gekauft. Die Aykasa-Boxen eignen sich übrigens super als Ordnungssystem!

Die bereitgestellte Babyausstattung:

Vorab ein absoluter Herzens-Tipp: Mittlerweile könnt Ihr Geschenklisten bzw. Körbe bei verschiedenen Babyausstattern hinterlegen, aus denen Eure Familie, Freunde, Verwandten etc. bequem tolle Geburtsgeschenke aussuchen können! Vor allem in Coronazeiten lohnt es sich besonders, auch im Lieblings-Kids-Concept-Store Deiner Stadt danach zu fragen: Eine Win-Win-Situation für alle Beteiligten… Hier bei uns in Karlsruhe kann ich Euch den “Rasselfisch” und “Emil & Greta” sehr ans Herz legen. Auch das Babycenter Schilling bietet einen “Wunschtisch” für werdende Eltern an.

Die Auswahl von Kinderwägen, Babymobiliar und Kleidung ist groß. Relativ unübersichtlich und je nach Gusto kann man sich schonmal in den Tiefen der Babyausstattungswelt verlieren. Wenn man dazu noch im Wartezimmer der hiesigen Gynäkologiepraxis in Elternmagazinen oder in irgendwelchen Schwangerschafts-ratgebern blättert, könnte man theoretisch die gesamte Mutterschutzzeit damit verbringen, die perfekte Babyausstattung zu shoppen….- Es sei denn, man hat noch Geschwisterkinder zu versorgen oder/und der Mutterschutz fällt leider in die Lockdown-Zeit von Corona. Das ist natürlich doppelt bitter. Ein Hoch auf die “Click- and Collect” Dienste von tollen, lokalen Concept-Stores (siehe oben) und vor allem auf die eigene intuitive Fragestellung: ” Was brauchen wir denn nun wirklich?”

Ich würde die Frage so beantworten:

  • 8 Bodies – gern aus Wolle-Seide wegen der Atmungsaktivität, Haptik und des Temperaturausgleichs. Wenn sie schon getragen bzw. gebraucht gekauft oder geliehen werden umso besser, da nachhaltig und um Einiges günstiger.
  • 4/6 Flügel- oder Wickelhemdchen/ Strickjacken
  • 2/3 Höschen/ Strampler
  • 1 Draußenanzug – ich bevorzuge Wollwalk oder Wollfleece wegen des Temperaturausgleichs
  • Warme Socken
  • 1 Mützchen und 1 warme Mütze (ebenfalls gerne Wolle oder Baumwolle)
  • mindestens 1 Schlafsack (eventuell 1 Ersatz-Schlafi)
  • 1 großes Paket 1er-Windeln, Waschlappen und Wundschutzcreme (meine klare Empfehlung ist hier der Windelbalsam der Bahnhof-Apotheke Kempten)
  • Spucktücher (gibt es auch in XL, die kann man dann auch ebenso zum Pucken oder als Sichtschutz beim Stillen verwenden)
  • Badetücher mit Kaputze, Badethermometer
  • Schnuller (ich mag die von BIBS, denn sie sind aus Kautschuk und kirschförmig, also der Brustwarze am form-ähnlichsten)

Ansonsten benötigt man ziemlich sicher noch folgende Babyausstattung:

  • Babysafe (falls man Autofahren möchte bzw. muss),
  • Beistellbett (wir hatten immer ein Babybay an unserem Familienbett befestigt), Wickelkommode bzw. Wickelaufsatz auf einer beliebigen Kommode, oder im Bad auf der Waschmaschine/ Badewanne etc),
  • Stillkissen (für mich eine der besten Anschaffungen für eine bequeme Stillposition und als Seitenschläferkissen vor der Geburt),
  • Kinderwagen.
  • Ich bin ein großer Fan vom Tragen- am besten schon ab Geburt. Wenn Ihr Euch allerdings unsicher seid, dann kontaktiert erstmal eine Trageberatung. Wir haben unser Tragetuch zum Beispiel von dem Karlsruher Label “Little Wombat” . Dort findet Ihr nachhaltig produzierte, super anschmiegsame Tragetücher, tolle Pflegeprodukte für Mama und Baby und vieles mehr.
  • Natürlich könnt Ihr auch mit Eurem Baby in den ersten Wochen ein Fachgeschäft aufsuchen. Am Besten, Ihr informiert Euch vorher, wo und ob eine Trageberatung vor Ort angeboten wird.
  • Eine kleine “Apotheke” für Baby und Mama ist immer gut, wir schwören auf folgende Musthaves:
  • Fürs Baby: Fenchel-Kümmel-Öl (Massage bei Bauchweh), BiGaia-Tropfen (Aufbau der Darmflora), Sab Simplex (Entschäumer), Kümmelzäpfchen “Carum Carvi Comp.” (gegen Bauchweh/ Blähungen) Fieberthermometer, Kirschkernkissen
  • Für die Mama: Stillöl, Wochenbettbauchmassageöl, Multi-mam-Kompressen (DM), Stilltee.

Alles andere kann “Mann” meiner Meinung nach auch definitiv noch bequem nach der Geburt bzw. nach dem Wochenbett besorgen.

Was ich persönlich als Add-on äußerst hilfreich empfunden habe, war der Babyaufsatz von Stokke (man kann ihn online gebraucht bekommen- oder eben einen anderen Newbornaufsatz für den Hochstuhl), somit kann Baby mit am Tisch sein und man hat vielleicht sogar etwas Zeit, um mit beiden Händen und in einer einigermaßen gesunden Körperhaltung sein Essen zu genießen. Die Babywippe von Babybjörn (ebenfalls gut über z.B. Ebay-Kleinanzeigen zu shoppen) wäre dann in den kommenden Monaten ebenfalls ein hilfreiches Gadget.

WERBUNG: Babynestchen, Spieluhr, Babydecke, Wickeltasche und Wimpelkette sind aus dem Online-Concept Store Kyddo.shop. Meine Herzensempfehlung im Netz!

Organisatorisches:

Es geht auch bei der schönsten Sache der Welt nicht ohne Bürokratie und Papierkram. Um sich ganz entspannt mit der Geburt und dem Wochenbett befassen zu können, sollte man soviel und so gute Vorarbeit wie nur möglich leisten. Das heißt konkret:

Bei nicht verheirateten, werdenden Eltern: Es ist höchste Zeit, sich um die Vaterschaftsanerkennung und mögliche Sorgeerklärung zu kümmern.

Mutterschaftsgeld: Habt Ihr einen Anspruch auf Mutterschaftsgeld, wird dies bei der Krankenkasse beantragt (man benötigt eine Bescheinung über den voraussichtlichen Geburtstermin, ausgestellt vom Gyn. Diese wird ebenfalls dem Arbeitgeber für die Aufstockung der Zahlung vorgelegt).

Elterngeldantrag: Am besten schon im Mutterschutz ausdrucken bzw. online ein Konto anlegen und so gut es geht ausfüllen. Es lohnt sich hier wirklich, frühzeitig zu überlegen, wer für welchen Zeitraum Elterngeld bzw. Elterngeld plus beantragen möchte. Je schneller außerdem alle Unterlagen beisammen sind, desto schneller könnt Ihr den Antrag einreichen, zumal die Bearbeitungszeit jeder Elterngeldbehörde unterschiedlich lange ist.

Kindergeldantrag: Auf jeden Fall schon einmal ausgedruckt bereithalten- er kann natürlich auch online ausgefüllt werden.

Für Mehrgebärende: Sicherlich entspricht es nicht nur meiner subjektive Erfahrung, wenn ich hier anmerke, dass man der nahenden Geburt deutlich entspannter entgegenblickt, wenn man die Geschwisterkinder gut versorgt weiß. Bei uns war klar, dass mindestens eine Oma und eine Cousine auf Stand-By sind, um zu uns nach Hause zu eilen und sich unserer großen Tochter anzunehmen. Anders habe ich es allerdings zum Beispiel bei Freunden von uns erlebt, die sich ohne die unterstützenden Großeltern oder andere Familienmitglieder auf die Geburt vorbereiten mussten. Hier wurde ein engmaschiges Unterstützungssystem durch zwei befreundete Familien und eine Doula gestrickt. Hat man frühzeitig einen Plan, kann man die letzten Tage wirklich konzentriert und in freudiger Erwartung genießen.

WICHTIG! Unbedingt vor einer geplanten ambulanten Geburt zu beachten:

Klärt vorab mit Eurem Kinderarzt des Vertrauens, dass Ihr ambulant entbinden wollt und was Ihr für das Neugeborenenscreening bzgl. Stoffwechselerkrankungen (Fersenblutentnahme) benötigt. Kann Eure Hebamme diesen Test machen? Wenn ja benötigt sie die entsprechenden Papiere vom Kinderarzt. Das Zeitfenster ist sehr eng und der empfohlene Zeitpunkt sehr früh!

Wenn Du rhesusnegativ bist, bekommst Du nach der Geburt (innerhalb 72h) die zweite Anti-D-Serumgabe (die erste hast Du vermutlich in Deiner gynäkologischen Praxis bekommen im letzten Trimester). Diese ist ebenfalls sehr wichtig und falls Du sie nicht im Krankenhaus bekommst (das ist eigentlich Usus), dann kläre vorher ab, ob Deine Hebamme (mit Rezept vom Gynäkologen) oder Dein/e Gynäkologe/in selbst vorbeikommen kann.

Die U2 kann bis zum 10. LT durchgeführt werden, auch hier bitte vorab den Kinderarzt informieren- Unser Kinderarzt kam damals nach seiner Sprechstunde zu uns nach Hause, diesmal würden wir den Termin in der Praxis wahrnehmen müssen (ich sage nur: CORONA). Das Hörscreening kann auch noch wenige Wochen nach der Geburt gemacht werden. Wir waren das letzte Mal hierzu bei der HNO-Praxis bei uns ums Eck.

Für weitere Tipps lest auch gern den Blogbeitrag “Schwanger in Coronazeiten” durch. Ansonsten freue ich mich über Eure Fragen, Anregungen oder Ergänzungen und tippe fleißig an Teil 2/3. Hier wird sich alles rund um die Vorbereitung auf die Geburt, also auf den tatsächlichen “Tag X” drehen. Von mentaler Geburtsvorbereitung, Dammassage, bis zur möglichen “Wishlist” für das Anmeldegespräch im Krankenhaus.

Nur noch einmal zur Sicherheit: Dieser Blogpost enthält Werbung- die besonders von Herzen kommt!

2 Kommentare

  1. Mir war das Mineralwasser unter der Geburt sehr wichtig. Da wir beim ersten Kind keines im Krankenhaus dabei hatten (ich ging davon aus, dass es welches gibt) wurde ich lediglich mit Leitungswasser versorgt… beim Zweiten hatten wir unser eigenes Wasser dabei- man lernt nie aus!

    • Guter Tipp, liebe Sabrina. Mir persönlich wäre es tatsächlich auch total wichtig, etwas Sprudeliges trinken zu können. Alles andere wäre fatal für mich- offensichtlich ist das Angebot von KH zu KH auch sehr unterschiedlich..😉
      Danke für den Hinweis und viele liebe Grüße

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