Fremdbetreut- aber bitte richtig (gut).

“Tagesmutter, oder doch lieber Krippe? Vielleicht die flexible Großtagespflegestelle im Ort? -Aber eigentlich könnte auch Oma für ein paar Stunden einspringen, oder?”

Die passende Betreuungsform für unsere Kinder zu finden, stellt manchmal eine größere Herausforderung dar, als man hätte kommen sehen. Natürlich spielen die sozialräumlichen Gegebenheiten immer eine große Rolle. – Sind die Kitaplätze rarer als rar? Hätte man sich cleverer Weise daher schon in der Schwangerschaft für einen der wenigen Plätze voranmelden sollen- oder am Besten schon mit positivem Schwangerschaftstest?

Ist man gebunden durch den Wiedereinstieg ins Berufsleben nach der Elternzeit und hat womöglich noch einen eher wenig flexiblen Arbeitgeber, kann man schon mal kurz an den Rande des Nervenbruchs gelangen. Ungünstig, bei solch einem heiklen Thema wie der Fremdbetreuung des eigenen Kindes- möchten wir doch einfach nur “das Beste” fürs Kind- was wir sicherlich nicht möchten, ist uns mit dem Gedanken herumschlagen zu müssen, womöglich weder “das Beste”, noch “das Passende” und im schlimmsten Fall, sogar gar nichts zu finden.

Mit dem Rechtsanspruch auf Tagesbetreuung für Kinder ab dem vollendeten ersten Lebensjahr haben die Kommunen die Mammutaufgabe, möglichst viele Betreuungsplätze aus dem Boden zu stampfen. Da wird man kreativ, innovativ, vielleicht schafft man sogar eine bunte Angebotslandschaft für all die Suchenden. Mittlerweile gibt es vielfältige Betreuungskonzepte – die Frage ist nur, welches am besten zu den Bedürfnissen von unserem Kind passt. Wo fühlt sich unser Kind wohl und geborgen, wo erfährt es den für ihn passenden Rahmen, um sich zu entfalten, um die Welt zu entdecken und sich letztendlich ganzheitlich weiterentwickeln zu können.

Wir beispielsweise hatten einen ziemlich klaren Betreuungsplan für unsere Kinder vor Augen. Sie kamen (eines kommt gerade) in den Genuss, ab dem ersten Geburtstag den Vormittag in einer Großtagespflegestelle verbringen zu dürfen. Maximal 10 Kinder, tolle pädagogische Ansätze angelehnt vor allem an Maria Montessori und Emmi Pikler, jeden Mittag frisch zubereitetes Mittagessen- und bei Bedarf (von uns als Eltern aufgrund beruflicher Termine) auch noch ein kleines Mittagsschläfchen vor Ort.

Hört sich an wie das Schlaraffenland für sie- und uns? Stimmt. Unsere Kinder fühlen sich dort wohl, der Vorteil für uns ist die wahnsinnige Flexibilität, die uns im Großen und Ganzen die Berufstätigkeit neben der Familie enorm erleichtert.

Wahrscheinlich hätten wir damals auch mit dem Gedanken gespielt, unsere Große- die sich mittlerweile übrigens schon im letzten Kindergartenjahr befindet- auch noch über ihren dritten Geburtstag hinaus dort betreuen zu lassen- so passgenau und herrlich hilfreich fanden wir das Konzept. Wäre da nicht die Tatsache gewesen, dass alle gleichaltrigen Freunde mit 3 Jahren nun mal in den Kindergarten wechseln und sie somit nach und nach auch den letzten ihrer treuen Spielkameraden hätte ziehen lassen müssen…

Wir hatten damals Glück, dass wir die Tageseltern der Großtagespflegestelle kannten und bisher jedes unserer Kinder mit großem Vertrauen in deren Hände geben konnten. Für alle diejenigen von Euch, die sich mit diesen Gedanken gerade auseinandersetzen müssen, habe ich ein paar praktische Fragen zur Entscheidungsfindung zusammengestellt. Übrigens auch basierend auf meinen eigenen beruflichen Erfahrungen im Bereich der Kindertagespflege (meine Aufgabe im Jugendamt war es eine Zeit lang, unsere Tagespflegepersonen im Landkreis zu betreuen, aber auch deren Eignung zu überprüfen)

Unsere Rahmenbedingungen als Eltern:

Flexibilität: Für welchen Zeitraum benötigen wir die Betreuung? Sind wir flexibel- d.h. könnten wir zum Beispiel eine Grippe unserer Tagespflegeperson überbrücken?

Finanzen: Wieviel Geld möchten wir für die Betreuung ausgeben? (Wir waren überrascht, wie preiswert die Betreuung innerhalb der Tagespflege für Kinder U3 im Gegensatz zu einem Krippenplatz sein kann)

Was wir uns für unsere Kinder wünschen:

Welche Qualifizierung setzen wir voraus? Was ist uns hier wichtig? (In einer Kindertagseinrichtung arbeitet ausschließlich pädagogisch qualifiziertes Personal in der Gruppe. Als Tagespflegeperson kann sich grundsätzlich jeder ausbilden lassen, egal welcher Beruf vorher ausgeübt wurde. Voraussetzung ist die Qualifizierung durch einen Kurs mit 160 Unterrichtseinheiten. Vor Aufnahme der Tätigkeit benötigt man die Pflegeerlaubnis durch das zuständige Jugendamt, die mit einer Eignungsüberprüfung einhergeht. (Das sind übrigens völlig wertungsfreie Facts, wie gesagt, wir selbst nehmen verschiedene Betreuungsformen für unsere Kinder in Anspruch.)

Was ist uns in der Erziehung wichtig, legen wir auf Schwerpunkte in der pädagogischen Arbeit besonderen Wert?

Welche räumliche Ausstattung ist uns wichtig? Braucht unser Kind eher einen kleinen, ganz persönlichen Betreuungsrahmen?

Die Experten für unser Kind sind WIR. Wir wissen am besten, welches Naturell unser Kind mitbringt. Hören wir also unbedingt auf unser Bauchgefühl.- Ist unser Kind vielleicht ein kleiner Wildfang, braucht viel Bewegung, körperliche Anstrengung und viele Spielkameraden? Oder ist es ein zartes Seelchen, das zu allererst Zuwendung, Herzenswärme und eine ruhigere Atmosphäre braucht?

Wie schon eingangs beschrieben, es gibt viele verschiedene – viele gute Konzepte. Ob Tagespflege, oder Großtagespflege, ob Kinderfrau, Betreuung durch die Großeltern, oder Krippe bzw. Kita. Am wichtigsten für unsere Kinder ist die Bindung. Die Beziehung zu der Bezugsperson bzw. den Bezugspersonen, die da ist/ sind, wenn wir es mal nicht sind.

Das Grundlegendste bei der Wahl der Fremdbetreuung ist es, sich genau zu informieren- wenn nötig auch in mehreren Vorgesprächen. Für uns war wichtig, all unsere Fragen geklärt zu wissen und uns ein Bild von den Bezugspersonen machen zu können- denn sind wir mal ehrlich, mit einem guten Bauchgefühl unterschreibt sich so ein Betreuungsvertrag um einiges leichter.

1 Kommentare

  1. Bei Kitas darf man den Unterschied freier Träger, Elterninitiativen, kirchlichen Trägen oder Städtischen nicht unterschätzen.

    Wir wussten bei unserem ersten Kindergarten gar nicht, dass wir Eltern, die wir zwingend dem Elternverein beitreten mussten, gemeinschaftlich plötzlich Geschäftsführer der Gesellschaft waren….

    Dieser Kindergarten hatte einfach als einziges einen freuen Platz.

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